Häufige Fragen zum Debattieren bei der BDU

Was macht ihr eigentlich den ganzen Abend, ist das nicht sinnlos und was soll ich da überhaupt? Debattierclubs gibt es in Deutschland noch nicht lange - und deswegen sind viele Studierende skeptisch, ob es sich lohnt, bei uns mitzumachen. Natürlich lohnt es sich! Hier sind unsere Antworten auf einige kritische Fragen, die wir häufig hören und gerne beantworten.

Muss man Mitglied des Vereins werden, um bei euch zu reden?

Nein - bei unseren Debatten darf jeder reden, egal ob Mitglied oder nicht. Viele Studierende entschließen sich, Mitglied der Berlin Debating Union e. V. zu werden, wenn sie bereits seit einiger Zeit und regelmäßig debattieren. Auch dann gibt es aber keinen Mitgliedschaftszwang. Die meisten aktiven Debattierer werden deshalb Mitglied, weil sie dann aktiv über die Ausrichtung, die Aktivitäten und die (bescheidenen) Finanzen des Clubs mitentscheiden können. Außerdem bieten wir auch zusätzliche Trainingseinheiten, Coaching und Seminare für Fortgeschrittene an, die Mitgliedern vorbehalten sind, wo jeder aber mal reinschnuppern kann!

Ich bin kein Student. Kann ich trotzdem mitmachen?

Ja sicher. Wir sind zwar ein studentischer Verein für die Mitglieder der Berliner Hochschulen, aber bei uns sind Berufstätige, Schüler, Auszunseren Dienstagsdebatten regelmäßig Menschen aus allen gesellschbildende und Rentner natürlich genauso willkommen. Schon heute machen bei uaftlichen Gruppen mit. Neue Perspektiven bereichern jede Debatte!

Ist es nicht völlig relativistisch, wenn Pro-und Contra-Position in euren Debatten zugelost werden? Habt ihr denn keine Überzeugungen?

Natürlich haben wir Überzeugungen! Aber wäre es nicht ziemlich langweilig, sie nie selbst in Frage zu stellen? Ziemlich borniert, sie nicht der kritischen Überprüfung auszusetzen? Und vor allem ist es doch spannend, sich gerade in solche Positionen hineinzudenken, die einem nicht auf den ersten Blick einleuchten. Wir meinen, dass es bei jeder Streitfrage gute Gründe dafür und dagegen gibt. Wer beide Seiten entdecken will, tut dies am besten, indem er lernt, sowohl Pro als auch Contra einer Streitfrage zu begründen. Und auf dem Nachhauseweg sieht dann oft auch die eigene Meinung differenzierter aus als vor der Debatte.

Die Themen über die ihr streitet, sind oft komplex, aber ihr bereitet euch nur 15 Minuten vor - kommt da nicht nur dummes Zeug heraus?

Das finden wir nicht. Natürlich sind viele Themen sehr komplex, und am besten wäre es, wenn man über jede Streitfrage zehn Bücher gelesen hätte. Aber das ist nicht nur unmöglich, sondern auch undemokratisch. In einem Gemeinwesen, das nicht nur aus Experten besteht, müssen die Bürger ständig Entscheidungen auf der Grundlage sehr beschränkter Informationen treffen. Wir können nicht einem kleinen Zirkel von Eingeweihten die Entscheidung darüber überlassen, was wir wollen. Bei einer verantwortlichen politischen Entscheidung eines Bürgers wie auch bei unseren Debatten ist daher meist nicht Detailwissen wichtig, sondern die Fähigkeit, Streitfragen so zu analysieren, dass man auf die grundlegenden Prinzipien und Wertentscheidungen stößt. Wenn wir etwa über Atomkraft streiten, müssen wir nicht die Details aller Reaktortypen kennen. Es geht viel mehr darum, sich Gedanken darüber zu machen, welchen Nutzen die Atomkraft tatsächlich bietet - und welche Risiken wir bereit sein wollen, für technischen Fortschritt zu tragen.

Außerdem fordert die kurze Vorbereitungszeit auch die Kreativität heraus und die Fähigkeit, Themen schnell zu durchdringen und auch mal querzudenken.

Aber: Ohne Kenntnisse des politischen Zeitgeschehens geht es natürlich nicht - man sollte schon eine Zeitung lesen.

Ist das nicht alles nur eine neoliberale Veranstaltung?

Nein - in der Berlin Debating Union finden sich alle politischen Standpunkte wieder. Bei uns gibt es Ökos und Konservative, Liberale und Linke. Welche politische Richtung wir persönlich bervorzugen, spielt beim Debattieren aber auch keine Rolle. Denn in unseren Debatten werden die Positionen ja zugelost - und außerdem lassen sich viele Argumente gar nicht einer bestimmten politischen "Farbe" zuordnen.

Dass bei uns alle politischen Standpunkte vertreten sind, gilt aber mit einer Ausnahme: Nazis und andere Hetzer, die Menschen ihre Würde versagen wollen, haben bei uns keinen Platz. Die Anerkennung des Anderen ist die Grundlage für jede Debatte.

Ist das nicht vollkommene Zeitverschwendung? In der Zeit, in der ihr ziellos herumredet, könntet ihr euch doch auch für wirklich wertvolle Dinge einsetzen!

Sicher: Es gibt viele andere Möglichkeiten, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen und sich für erstrebenswerte Zwecke zu engagieren. Und es stimmt auch: Während sich etwa die Hochschulgruppe von amnesty international für die Menschenrechte auf der ganzen Welt einsetzt, streiten wir nur darüber.

Wir meinen aber, dass auch jemand, der bei uns debattiert, auf eine wertvolle Weise handelt. Wer bei uns redet, möchte politische Positionen in die Öffentlichkeit tragen und andere Positionen verstehen. Bei uns lernt man, Standpunkte zu finden und sie selbstbewusst zu vertreten. Vor allem aber lernt man - wie wohl an kaum einem anderen Ort - vom eigenen Standpunkt abweichende Meinungen nachzuvollziehen, indem man sie selbst begründet. Wir glauben, dass diese Fähigkeit wichtig ist für eine offene Demokratie, die auf die Versöhnung unterschiedlicher Interessen gerichtet ist. Wer debattiert, der schult seine Fähigkeit zum politischen Handeln, und das finden wir wertvoll.

Vor allem aber schulen Debattierer nicht nur sich selbst. Denn bei uns finden nicht nur solche Leute ihren Platz, die schon gut und gerne reden, sondern auch diejenigen, die es lernen wollen. Und auch wer meint, es schon zu können, lernt bei uns und zusammen mit allen anderen viel dazu.

Viele Debattiererinnen und Debattierer in der Berlin Debating Union bringen die Fähigkeiten, die sie bei uns trainieren, übrigens auch gleich an unterschiedlichen Orten der Zivilgesellschaft ein: zum Beispiel in Hochschulgremien, Umweltgruppen oder der Lokalpolitik - und am Küchentisch ihrer WG.

Wollt ihr also alle Berufspolitiker werden?

Nein. Nur ganz wenige Debattierer zieht es in die Politik, wie sie im engeren Sinne verstanden wird. Wahrscheinlich liegt das auch an dem nicht ganz unbegründeten Eindruck, dass in vielen politischen Institutionen wenig debattiert wird, sondern dass vielmehr unter großem Druck eine Entscheidung nach der anderen gefällt wird. Die meisten Debattierer reizt daher eher das politische Handeln im "Vorhof" unserer demokratischen Institutionen, der Zivilgesellschaft - zum Beispiel in Vereinen und Bürgerinitiativen und an den Küchentischen dieses Landes.

Ihr studiert sicher alle Jura oder Politikwissenschaft, oder?

Im Gegenteil! Wir sind wahrscheinlich einer der buntesten studentischen Vereine Berlins. Bei uns tummeln sich zum Beispiel Physikerinnen, Religionswissenschaftler, Publizisten, Romanistinnen, Architektinnen, Informatiker, Philosophen, Mediziner und Literaturwissenschaftler - und Politikwissenschaftler und Juristen gibt es bei uns natürlich auch. Aber auf Fachwissen kommt es in unseren Debatten eben nicht an, sondern auf ein reges Interesse am Zeitgeschehen.

Gehe ich bei euch als Einsteiger nicht unter, weil ihr alle so gute Redner seid und dann in den Debatten über mich herfallt?

Bei uns geht niemand unter. Wir sind in unseren Debatten immer fair zueinander - egal, ob unter erfahrenen Rednern oder mit Neueinsteigern. Stattdessen ist das Gegenteil richtig: Debattieren gibt bei uns von Anfang an Auftrieb. Erfahrene Debattierer reden gerne mit euch in einem Team, und geben euch Tipps und konstruktive Rückmeldung, wie ihr euch verbessern könnt. Gutes persönliches Feedback gehört bei uns bei allen Debatten fest dazu. Und die Lernkurve geht dann erfahrungsgemäß sehr steil nach oben. Übrigens sind bei uns keineswegs nur "Redeprofis". Was soll das überhaupt sein? Wir wollen vor allem von einander lernen - und manche tun das eben schon etwas länger als andere.

Viele studentische Vereine sind abgeschottete Gruppen, in denen sich die Leute schon seit Jahren kennen. Findet man bei euch als Neueinsteiger überhaupt Anschluss?

Wie in jedem Verein bilden sich auch bei uns Freundschaften. Gerade das Debattieren macht aber sehr aufgeschlossen und ist ideal zum Kontakteknüpfen. Neulinge sind nach einer Debatte keine Neulinge mehr. Die aktuelle Debatte bietet oft einen Aufhänger, um mit jedem ins Gespräch zu kommen. Anders als beim Wetter können die Gespräche aber sehr erfrischend, konstruktiv, lebendig, witzig... werden. Wir sind ein großer, offener Verein, der jede und jeden gerne aufnimmt.

Macht ihr auch mal etwas Nettes zusammen oder streitet ihr euch nur den ganzen Abend?

Unsere Debatten sind nett! Die Argumente sind bei uns zwar scharf, aber der Ton ist immer freundlich, fair und offen. Im Anschluss an die Debatten versacken wir jeden Dienstagabend im "Via Nova" neben der HU. Und dann wären da noch die Partys in der Torstraße...

Nächste Debatten

Dienstagsdebatten
Wir treffen uns jeden Dienstag um 18 Uhr in der Dorotheenstr. 24 im Raum 1.601 (Haus eins, sechster Stock).
Neueinstieg ist jede Woche möglich!

Newsletter

Meldet euch an zu unserem wöchentlichen Newsletter. Wir informieren euch zu aktuellen Veranstaltungen der BDU, anstehenden Turnieren und dem Thema der wöchentlichen Debatte. Wenn du dich anmelden möchtest, schicke einfach eine (leere) E-Mail an folgende Adresse und antworte auf die Bestätigungsemail (wichtig!): bdunewsletter-subscribe [at]yahoogroups.de

Du kannst dich jederzeit selbstständig wieder abmelden.

BDU on Twitter

Unterstützt durch Das Salzprojekt: Fleur de Sel und Schwarzer Pfeffer